{"id":2660,"date":"2017-10-23T11:20:53","date_gmt":"2017-10-23T09:20:53","guid":{"rendered":"\/\/www.villaalme.it\/der-kaffee-konig-von-fossabiuba-nach-brasilien\/"},"modified":"2017-12-15T12:10:46","modified_gmt":"2017-12-15T11:10:46","slug":"der-kaffee-konig-von-fossabiuba-nach-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/der-kaffee-konig-von-fossabiuba-nach-brasilien\/","title":{"rendered":"Der Kaffee-K\u00f6nig, von Fossabiuba nach Brasilien"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahre 1886 entschlossen sich Nicol\u00f2 und Luigia Lunardelli, ein junges Ehepaar, ihr Haus und ihre Verwandten in Fossabiuba di Mansu\u00e8 zur\u00fcckzulassen und sich den vielen Auswanderern, die sich auf den Weg nach Brasilien machten, anzuschlie\u00dfen. Er war 25 Jahre und sie 22 Jahre alt und als sie sich auf den Weg machten, hatten sie ihren Sohn Geremia, der ein Jahr vorher geboren wurde, im Arm. Im Herzen hofften sie auf ein anderes Leben, L\u00e4ndereien, die nicht anderen, sondern ihnen geh\u00f6rten und die sie mit Liebe und mit der Erfahrung bestellen w\u00fcrden, die ihnen ihre Familie, Generationen von Bauern vermacht hatten. Die Realit\u00e4t sollte aber ganz anders aussehen: Nicol\u00f2 starb einige Jahre sp\u00e4ter und Luigia heiratete erneut, w\u00e4hrend Geremia von klein auf als Untergebener auf Fazendas, gro\u00dfen Gutsh\u00f6fen, arbeitete. Er arbeitete und, siehe da, verliebte sich. Er verliebte sich in den Kaffee, die gr\u00fcnen Weiten dieser hohen, fruchtbaren und ergiebigen Pflanzen. Als Sechzehnj\u00e4hriger beginnt er einige K\u00fche und Schweine zu z\u00fcchten und auf dem Markt zu verkaufen. Er f\u00e4ngt an, etwas zu verdienen und zu sparen. Unter Entbehrungen, aber mit einem ganz bestimmten Ziel, das mit seinem ersten kleinen Besitz, der einige tausend Pflanzen z\u00e4hlt, Formen annimmt&#8230; Und dann lernt er als Autodidakt Lesen und Schreiben, bet\u00e4tigt sich mit elementaren Einf\u00e4llen als Landwirt, H\u00e4ndler, Grundst\u00fccksvermittler, Zuckerrohrproduzent und schl\u00e4gt sich mehr schlecht als recht durch. Vor Augen und im Herzen hat er dabei aber nur den Kaffee. Er sucht die fruchtbarsten L\u00e4ndereien aus. Er erkennt sie mit blo\u00dfem Auge und am Geruch, sucht auch au\u00dferhalb des Bundesstaates S\u00e3o Paulo und sogar in Paran\u00e1 nach ihnen und w\u00e4chst und w\u00e4chst. So wird er im Alter von nur drei\u00dfig Jahren \u201eO rei do caf\u00e8\u201c, der weltweit gr\u00f6\u00dfte Kaffeeproduzent und Kaffeeh\u00e4ndler! Sein Erfolg h\u00e4lt an und in den f\u00fcnfziger Jahren besitzt er 14 Millionen Pflanzen, 11.500 Hektar gutes Land, auf dem Baumwolle angebaut wird, 25.375 Hektar Viehfutter, 30.000 St\u00fcck Vieh, 5.000 Hektar Zuckerrohrplantagen und eine Zuckerfabrik, die j\u00e4hrlich 30.000 Sack Zucker ausst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Geremia Lunardelli, ein Mann der Tat, wird, ohne die bescheidenen Verh\u00e4ltnisse, aus denen er stammt, jemals zu vergessen, ein Magnat. Sein ganzes Leben lang spricht er weiterhin mit seinen Angestellten und arbeitet eifrig weiter und beh\u00e4lt dabei immer die f\u00fcr die Leute aus dem Veneto typischen Z\u00fcge der Bescheidenheit bei: Deshalb und auch, um die Gesetze seiner Heimat jenseits des Ozeans, die die Adelstitel demokratisch abgeschafft hatten, zu beachten, lehnte er den Grafentitel, den ihm der K\u00f6nig von Italien 1928 angeboten hatte, und auch den Titel als Markgraf, den ihm der Heilige Stuhl 1946 f\u00fcr die N\u00e4chstenliebe, die er den Bed\u00fcrftigen gegen\u00fcber immer gezeigt hat, verleihen wollte, ab. Die Dankbarkeit, die er Brasilien gegen\u00fcber zu empfinden glaubte, wollte er hingegen geb\u00fchrend anerkennen und unterst\u00fctzte deshalb die Gr\u00fcndung des Museums der bildenden K\u00fcnste in S\u00e3o Paulo, dem er absolut bedeutende Werke, Skulpturen von Rodin, Gem\u00e4lde von Goya, Velasquez, Renoir, Rembrandt&#8230; schenkte. Er starb 1962 und hinterlie\u00df sein Verm\u00f6gen neun Kindern und Dutzenden von Enkeln und klagte bis zu seinem Lebensende \u00fcber ein einziges \u00c4rgernis: Die Unf\u00e4higkeit der Politiker den Wert der Landwirtschaft zu verstehen. \u201eDie Liebe zum Grund und Boden &#8211; sagte er &#8211; muss auf die Probe der Arbeit gestellt werden. So steigt man zum K\u00f6nig auf!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 1886 entschlossen sich Nicol\u00f2 und Luigia Lunardelli, ein junges Ehepaar, ihr Haus und ihre Verwandten in Fossabiuba di Mansu\u00e8 zur\u00fcckzulassen und sich den vielen Auswanderern, die sich auf den Weg nach Brasilien machten, anzuschlie\u00dfen. 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