{"id":2653,"date":"2017-10-23T11:18:26","date_gmt":"2017-10-23T09:18:26","guid":{"rendered":"\/\/www.villaalme.it\/der-geschmack-der-tradition\/"},"modified":"2017-12-15T12:12:39","modified_gmt":"2017-12-15T11:12:39","slug":"der-geschmack-der-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/der-geschmack-der-tradition\/","title":{"rendered":"Der Geschmack der Tradition"},"content":{"rendered":"<p>Von dieser b\u00e4uerlichen Welt, die Bepi kannte, ist nicht viel \u00fcbrig geblieben. Diejenigen, die die Felder bestellt haben, sind andere Wege gegangen und der Fortschritt hat Reichtum und Identit\u00e4tsverlust zusammengebracht. Von den Traditionen ist wenig oder gar nichts geblieben. Denjenigen, die Zeugen einer vergangenen Zeitepoche gewesen sind, bleiben nur die Erinnerungen.<\/p>\n<p>\u201eUnd Erinnerung gibt es viele. Zum Beispiel die nicht geteerten Schotterstra\u00dfen, von denen, wenn ein Auto vorbeigefahren ist, eine gro\u00dfe Staubwolke empor stieg. Der Teer ist sp\u00e4ter aufgekommen und hat das Landschaftsbild ver\u00e4ndert. Und auch in Verbindung mit dem Essen gibt es Erinnerungen.<\/p>\n<p>In der Gegend, die Pr\u00e0 dei Gai genannt wird und in der Gras und Viehfutter angebaut wurde, z\u00fcchteten die Hirten Ziegen und Schafe, um mit deren Milch ausgesprochen renommierten Schafs- und Ziegenk\u00e4se herzustellen. Geschmacksnoten, die bis vor etwa f\u00fcnfzehn Jahren allesamt noch lebendig waren.<\/p>\n<p>In der ganzen Gegend gab es viele Herden: Die Familien hielten Schafe, stellten Butter, Ricotta und K\u00e4se her und verkauften die Wolle. \u00dcbrig geblieben ist nichts. Ich habe noch die alten Frauen vor Augen, die als Futter f\u00fcr die Enten, einer weiteren wichtigen Ertragsquelle in einer rein auf das Auskommen ausgerichteten Wirtschaft, Brennnesseln sammeln gingen. Sie griffen mit ihren schwieligen H\u00e4nden nach den Nesseln und machten trotz des Brennens nicht Halt, da die Brennnesseln das Fleisch des Gefl\u00fcgels schmackhafter und nahrhafter machten.<\/p>\n<p>Wenn ich an die Geschmacksnoten von einst denke&#8230; Die jungen Leute von heute kennen sie nicht, sie k\u00f6nnen keinen Vergleich ziehen. Ich erinnere mich an den nat\u00fcrlichen Geschmack der Kirschpflaumen und der zuckers\u00fc\u00dfen Feigen, die getrocknet wurden. In \u00d6l eingelegte oder im Fett konservierte Enten fehlten in keiner Speisekammer. Wenn das \u00d6l ranzig geworden war, wurde es nicht weggesch\u00fcttet, und wenn der Wein sauer geworden war, trank man ihn trotzdem. Vergeudet wurde bei den Bauern nichts und andererseits waren die Familien, wegen der Halbpacht, die vorsah, dass die Anzahl an Hektar Land der Anzahl der Familienangeh\u00f6rigen entsprechend, zugewiesen wurde, ausgesprochen gro\u00df. Die Familie Piccolo z\u00e4hlte etwa f\u00fcnfzig K\u00f6pfe. Erwachsene und Kinder a\u00dfen nacheinander, die Frauen im Stehen und im Sommer im Freien vor der Haust\u00fcr mit dem Teller in der Hand. Im Alltag ern\u00e4hrten sie sich vor allem von Polenta, einem Brei aus Maisgrie\u00df, und Milch, Heringen und wildwachsendem Radicchio. Der schmeckte im Herbst nach dem ersten Reif frisch geerntet und mit Grieben garniert besonders gut. Sicherlich litt niemand an einem zu hohem Cholesterinspiegel. Die Bauern hatten andere Krankheiten wie Pellagra und Skorbut, die von der Unterern\u00e4hrung herr\u00fchrten. Es war eine einfache, aber unverf\u00e4lschte K\u00fcche, f\u00fcr die Geschmacknoten typisch waren, die inzwischen verloren gegangen sind. Dass ich wieder zur Landwirtschaft zur\u00fcckgekehrt bin, hat auch diese Bedeutung: Anzuerkennen, dass die Natur das wichtigste Gut ist. Die Mutter, die uns ern\u00e4hrt. Und wenn der Mensch jeden Tag isst und trinkt, hat er wirklich alles gel\u00f6st. Das muss uns wieder bewusst werden und diese Erkenntnis m\u00fcssen wir an die neuen Generationen weitergeben\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von dieser b\u00e4uerlichen Welt, die Bepi kannte, ist nicht viel \u00fcbrig geblieben. Diejenigen, die die Felder bestellt haben, sind andere Wege gegangen und der Fortschritt hat Reichtum und Identit\u00e4tsverlust zusammengebracht. Von den Traditionen ist wenig oder gar nichts geblieben. 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