{"id":2651,"date":"2017-10-23T10:51:24","date_gmt":"2017-10-23T08:51:24","guid":{"rendered":"\/\/www.villaalme.it\/voll-bis-zum-rand\/"},"modified":"2017-12-15T12:23:35","modified_gmt":"2017-12-15T11:23:35","slug":"voll-bis-zum-rand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/voll-bis-zum-rand\/","title":{"rendered":"Voll bis zum Rand"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Raboso ist eine der lebendigsten Erinnerungen aus meiner Kinderzeit verbunden. Ich hatte eine Tante, die ein Wirtshaus mit \u201eCasoin\u201c, einem Brot- und Lebensmittelverkauf, betrieb. Einst war das so, wie eine Art Basar. Meine Tante war ein bisschen Wirtin und ein bisschen Kauffrau und man war ihr neidisch, da sie es verstand, aus strohgelbem Papier T\u00fcten zu falten, wie sie einst auf wesentlich umweltfreundliche Weise das Plastik von heute ersetzten. Das Wirtshaus gibt es nicht mehr. Es wurde in den 70er Jahren durch moderne, anonyme Lokale ersetzt. Die Weingl\u00e4ser wurden in einem Bottich mit Wasser und Zitrone gesp\u00fclt. Vielleicht ein etwas plumpes Verfahren, das allerdings wenig verunreinigend und, da niemals jemand daran gestorben ist, offenbar nicht gef\u00e4hrlich war. Meine Tante lie\u00df es zu, dass ich hinter der Theke stand. Eine Theke mit diesem typischen Weingeruch&#8230;, ein Geruch von ausgesch\u00fcttetem Wein und feuchtem Holz. Wenn man einen Schoppen, die \u201eombra de vin\u201c, wie das Glas Wein im Veneto genannt wird, servierte, musste man es randvoll machen, der Wein musste etwas \u00fcberlaufen. Wenn man das nicht tat, wurde man ger\u00fcgt. Das machte ich leidenschaftlich gerne: Den G\u00e4sten, nachdem sie den Esel oder die Kuh an der sogenannten \u201esciorna\u201c (dem Ring, der einst zum Anbinden der Tiere an der Au\u00dfenmauer befestigt wurde) geparkt hatten, ein Glas Raboso einschenken.<\/p>\n<p><strong>Der Wein musste \u00fcber den Rand des Glases laufen, sonst war es keinen ganzer Schoppen.<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Du, Kleiner, mein Schoppen ist nicht voll&#8221;, riefen sie und du schenktest nach und sie schl\u00fcrften und machten dabei ein besonderes Ger\u00e4usch, das deutlich zum Ausdruck brachte, dass die S\u00e4ure des Weins den Gaumen ber\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Es war fast immer ein Glas Raboso, aber es konnte auch Clinton sein. Ein Wein, den es nicht mehr gibt, da er, wie man sagte, giftig war. Hingegen war er nur ausgesprochen tanninhaltig, so tanninhaltig, dass die Farbe an den F\u00fc\u00dfen derjenigen, die die Trauben stampften, zur\u00fcckblieb. Auch die Z\u00e4hne f\u00e4rbte er&#8230; Und dann gab es den Bac\u00f2, den man aus Reben mit kleinen Beeren gewann. Der Rebstock, von dem er stammte, verlangte, wie auch der Clinton, keine Pflege.<\/p>\n<p>Hingegen erforderte der Raboso, obwohl es eine charakterfeste Rebsorte war, ein bisschen Aufmerksamkeit. W\u00e4hrend meiner Kindheit wurde er mit Gr\u00fcnspan, einer Mischung aus Kupfer und Schwefel, gespritzt. F\u00fcr mich war es ein Fest: \u201eUnd jetzt pumpen\u201c, sagten die Bauern, nachdem ich die Ehre hatte, mir das Ger\u00e4t auf meine Schultern zu laden.<\/p>\n<p>Mit dem Geruch dieser Trauben und dieses Weines verbinde ich meine Zugeh\u00f6rigkeit zu den Orten, an denen ich geboren und aufgewachsen bin. Sobald ich die M\u00f6glichkeit hatte, habe ich meine Ersparnisse in Grund und Boden investiert und auf den Raboso gesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Raboso ist eine der lebendigsten Erinnerungen aus meiner Kinderzeit verbunden. Ich hatte eine Tante, die ein Wirtshaus mit \u201eCasoin\u201c, einem Brot- und Lebensmittelverkauf, betrieb. Einst war das so, wie eine Art Basar. Meine Tante war ein bisschen Wirtin und ein bisschen Kauffrau und man war ihr neidisch, da sie es verstand, aus strohgelbem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2972,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2651"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2651"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2651\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2651"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.villaalme.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}